Portraitfoto von Andreas Schreiner, Ausbilder Mechatronik bei N-ERGIE, mit grauem Hintergrund
„Wir bekamen einen fachlich und persönlich weiterentwickelten Auszubildenden zurück“
Andreas Schreiner
Senegal
Ausbilder Mechatronik bei N-ERGIE

Ausbilder Andreas Schreiner war sofort bereit, seinen Auszubildenden für einen zehntägigen beruflichen Austausch in den Senegal freizustellen. Im Interview erzählt er, warum er ihm diese Chance ermöglichen wollte und wie sein Unternehmen von den Auslandserfahrungen des Lehrlings profitiert.

Warum befürworteten Sie einen Austausch in den Senegal für Ihren Auszubildenden?

Ich sah es vor allem als Möglichkeit, die persönliche und fachliche Entwicklung des Auszubildenden gezielt zu fördern. Ein Auslandsaufenthalt stärkt die interkulturelle Kompetenz, erweitert den Horizont und fördert Selbstständigkeit sowie Flexibilität in ungewohnten Umgebungen. Gleichzeitig trägt er dazu bei, die Ausbildung attraktiver und abwechslungsreicher zu gestalten.

Welche Ziele verfolgten Sie mit dem Auslandsaufenthalt konkret?

Ich wollte vor allem die berufliche Handlungskompetenz meines Azubis weiter ausbauen. Im Senegal war er mit anderen kulturellen Rahmenbedingungen, Arbeitsweisen sowie Erwartungen konfrontiert. Er arbeitete mit Schülerinnen und Schülern aus Dakar und Frankreich zusammen. 

Auch die Arbeitsmaterialien waren neu für ihn und nur begrenzt vorhanden. Dadurch lernte er, Probleme eigenständig zu analysieren und kreative sowie praktikable Lösungen zu entwickeln, beispielsweise als Verteilerkästen ausgingen, Leitungen teilweise ungeeignet oder Lichtschalter defekt waren. Diese Erfahrungen stärkten seine Selbstorganisation und seine Entscheidungsfähigkeit.

„Unser Azubi lernte im Senegal, Probleme eigenständig zu analysieren und kreative sowie praktikable Lösungen zu entwickeln.“

Konnten Sie selbst während Ihrer Ausbildung internationale Erfahrungen sammeln?

Nein, leider nicht. Ich begleitete aber mit dem Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (bbw) bereits mehrere Delegationen in Deutschland. Sie kamen unter anderem aus der Ukraine, Moldau und Südafrika und wollten sich die Umsetzung der dualen Berufsausbildung bei uns anschauen. Bekäme ich die Möglichkeit, als Ausbilder an einem internationalen Austausch teilzunehmen, wäre ich sofort dabei!

Wie lief die Planung des Auslandsaufenthalts ab?

Die Berufsschule 1 in Nürnberg übernahm den größten Teil der Planung. Aus meiner Sicht lief dabei alles strukturiert und reibungslos. Sie bot im Vorfeld Informationsveranstaltungen an, die einen guten Überblick über die organisatorischen und formalen Anforderungen gaben. Da der Auslandsaufenthalt ein Dreivierteljahr vorher bekannt war, hatten wir ausreichend Zeit, um alles zu klären.

Mir war wichtig, dass mein Auszubildender möglichst viele Vorbereitungsschritte eigenverantwortlich übernimmt, um seine Selbstständigkeit zu fördern und die Identifikation mit dem Projekt zu stärken. Deswegen organisierte er die notwendigen Impfungen und klärte formale Fragen selbst, etwa zur Unfallversicherung.

Als Ausbildungsbetrieb waren es unsere Hauptaufgaben, die Freistellung des Lehrlings für den entsprechenden Zeitraum zu organisieren und den betrieblichen Ausbildungsplan anzupassen. Wir integrierten die Inhalte des Auslandsaufenthaltes und stellten ihn so auf, dass wir durch die Reise verpasste Ausbildungsinhalte wie Leistungselektronik und 3D-Druck gezielt nacharbeiten konnten. Zudem erarbeiteten wir ein Konzept zur Nachbereitung. Damit können wir die im Ausland erworbenen Kompetenzen reflektieren, nachhaltig in die weitere Ausbildung einbinden und mit den anderen Auszubildenden teilen.

„Mir war wichtig, dass mein Auszubildender möglichst viele Vorbereitungsschritte eigenverantwortlich übernimmt, um seine Selbstständigkeit zu fördern und die Identifikation mit dem Projekt zu stärken.“

Welche Veränderungen oder Entwicklungen konnten Sie nach der Rückkehr bei Ihrem Auszubildenden beobachten?

Ich merkte, dass er an Selbstsicherheit gewonnen hat und strukturierter an Probleme herangeht. Zudem brachte er neue Ideen mit. Diese bereichern unseren Betriebsalltag, auch wenn sie sich nicht alle eins zu eins umsetzen lassen.

Sein Feedback war durchweg positiv: Er war von seinem beruflichen Austausch im Senegal begeistert und würde sofort wieder hinfahren – trotz Mückenplage und großer Hitze.

Welchen Mehrwert brachte es Ihrem Unternehmen, Ihren Lehrling für den Auslandsaufenthalt freizustellen? 

Wir bekamen nach nur zehn Tagen einen fachlich und persönlich weiterentwickelten zukünftigen Mitarbeiter zurück. Besonders seine neu erworbene interkulturelle Kompetenz ist in unserem Unternehmen mit Mitarbeitenden aus 43 Nationen ein echter Vorteil im Arbeitsalltag.

Zugleich steigert ein solches Angebot die Attraktivität unseres Ausbildungsbereichs. Wir zeigen damit, dass wir jungen Menschen Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Das wirkt sich positiv auf unser Ausbildungsimage aus, etwa bei Informationsveranstaltungen oder im Recruiting. 

Wir stärken darüber hinaus unsere Arbeitgebermarke und binden Mitarbeitende langfristig. Der Auslandsaufenthalt schafft damit einen nachhaltigen Mehrwert für das Unternehmen. Solche strategischen Vorteile hervorzuheben hilft, die Geschäftsführung von der Freistellung eines Auszubildenden zu überzeugen.

„Wir zeigen mit dem Angebot zum internationalen beruflichen Austausch, dass wir jungen Menschen Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Das wirkt sich positiv auf unser Ausbildungsimage aus.“

Planen Sie, auch in Zukunft Auszubildenden Auslandsaufenthalte zu ermöglichen?

Wir planen aktuell keine konkreten Auslandsaufenthalte, sind jedoch grundsätzlich offen dafür, Auszubildenden diese Möglichkeit zu bieten. Ein weiterer Azubi war etwa parallel zum Senegalaufenthalt in den USA.