Schulleiterin Julia Macharowsky vor Gemälde mit Bergen
„Sie hatten einfach Spaß beim Tschechisch sprechen“
Julia Macharowsky
Tschechien
Schulleiterin der Grund- und Mittelschule Neukirchen b. Hl. Blut

Tschechisch lernen findet Schulleiterin Julia Macharowsky richtig schwierig. Ihre Grundschüler empfinden das anders. Dank der Sprachanimation im Projekt „Ahoj – Hallo“ begegnen sie der Sprache mit Freude und beherrschen erste Worte und Redewendungen bereits nach einem Nachmittag.

Was motivierte Sie, mit Ihrer Grundschule an dem Projekt „Ahoj – Hallo“ teilzunehmen?

Meine Schule liegt in direkter Nachbarschaft zur tschechischen Grenze, manche Kinder wohnen nur einen Steinwurf entfernt. Deswegen boten wir in der Vergangenheit immer wieder bayerisch-tschechische Sprach- und Austauschformate an. 

So bestand bereits vor etwa 20 Jahren eine Kooperation mit einer Schule in Vseruby. Sie kam durch meinen persönlichen Kontakt mit der Lehrerin zustande. Unsere Klassen trafen sich zu gemeinsamen Kunstaktionen und Wandertagen. Bis zur Corona-Pandemie gab es außerdem eine freiwillige Arbeitsgemeinschaft zum Tschechisch lernen für unsere Grund- und Mittelschüler. Eine Lehrerin brachte den Kindern eine Stunde pro Woche Vokabeln und Grammatik bei.

Seit 2024/2025 besteht eine Partnerschaft mit einer Schulklasse in Nyrsko. Die Jugendlichen, die inzwischen die 7. Klasse besuchen, treffen sich dreimal im Jahr für jeweils einen halben Tag. Dieses Format möchten wir bis zum Ende ihrer Schulzeit aufrecht erhalten. Wir hoffen, dass dabei Freundschaften entstehen und die Jugendlichen merken, wie ähnlich sie ticken. Das Künische Gebirge und die Euregio Bayerischer Wald – Böhmerwald – Unterer Inn finanzieren die Begegnung und unterstützen uns bei der Organisation.

Für unsere Grundschüler gab es seit der Pandemie kein vergleichbares Angebot mehr. Deshalb war ich sehr angetan, als ich vom Projekt „Ahoj – Hallo“ von Tandem – Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch hörte. 

„Tschechien ist so viel mehr als ‚billiges Ausland‘. Es ist ein wunderbares Land mit einer tollen Natur.“

Welche Ziele verfolgen Sie mit der Teilnahme für Ihre Schülerinnen und Schüler?

Mein Hauptziel ist, dass die Kinder Interesse am Nachbarland entwickeln und Vorurteile abbauen. Am Projekt „Ahoj – Hallo“ finde ich gut, dass es neben der Sprache auch Landeskunde vermittelt. Tschechien ist für viele nur das „billige Ausland“. Gerade an der Grenze prägen viele Duty-free-Shops und Stände mit gefälschter Kleidung das Bild. Diese Sicht tut mir in der Seele weh, denn unser Nachbar ist so viel mehr. Es ist ein wunderbares Land, mit einer tollen Natur. Ich persönlich schätze es sehr zum Radfahren und Wandern. Außerdem habe ich ein paar gute Bekannte dort. Ich hoffe, dass die Schülerinnen und Schüler durch den Kontakt zu einer Muttersprachlerin ein anderes Bild von Tschechien bekommen und es anders wahrnehmen, wenn sie mit ihren Eltern über die Grenze fahren.

Zudem möchte ich sie neugierig auf die Sprache machen und erreichen, dass sie mit Freude Tschechisch sprechen. Da reicht es, wenn sie Farben benennen oder Gegenstände zählen können. Ich selbst kann leider kein Tschechisch, aber mir fehlt auch jegliche Sprachbegabung. Ich besuchte zweimal einen Volkshochschulkurs, doch die Grammatik und die Aussprache fielen mir richtig schwer. Zum Glück sprechen meine tschechischen Bekannten und die Lehrkräfte in Nyrsko alle hervorragend Deutsch.

Wie läuft das Projekt an Ihrer Schule ab?

Wir bieten die Sprachanimation für Kinder der zweiten bis zur vierten Klasse an, jeweils für drei Schulstunden pro Nachmittag. Für Zweitklässler findet ein Nachmittag statt, für Dritt- und Viertklässler bieten wir zwei Nachmittage an. 30 unserer 120 Grundschüler nehmen teil. 

Die Sprachanimation ist sehr spielerisch, einfach und bewegungsbetont. Ich beobachtete, dass alle Kinder konzentriert mitmachten und sehr viel Spaß hatten. In der Pause unterhielten sie sich auf Tschechisch und warfen sich neu gelernte Redewendungen zu. Das freute mich riesig, weil ich merkte, dass ich mein Ziel bereits erreicht hatte. Die Schülerinnen und Schüler fürchteten sich nicht mehr vor den vielen Konsonanten in tschechischen Wörtern, sondern hatten einfach Spaß beim Sprechen!

„Die Schüler fürchteten sich nicht mehr vor den vielen Konsonanten in tschechischen Wörtern, sondern hatten einfach Spaß beim Sprechen!“

Wie kommt das Angebot bei den Eltern an?

Sehr gut. Inzwischen erkennen alle, dass es von Vorteil ist, Tschechisch sprechen zu können. Nur so können sich die Menschen aus beiden Ländern auf Augenhöhe begegnen.

Die Eltern ließen sich besonders leicht überzeugen, weil es sich nicht um ein dauerhaftes Angebot handelt, sondern um ein Highlight an ein bis zwei Nachmittagen. Die Resonanz war groß. Nur wenige lehnten ab, da sie es für zu viel Lernaufwand hielten. Die Bedenken konnte ich schnell ausräumen, indem ich erklärte, dass alles spielerisch und ohne Druck abläuft.

Bei der Abfrage, wer in diesem Schuljahr wieder teilnehmen möchte, sagte nur ein Kind nein. Ein großer Teil wird weitermachen. 

Welchen Tipp haben Sie für andere Direktoren oder Lehrkräfte, die sich für „Ahoj – Hallo“ interessieren?

Machen Sie mit! Besonders schätze ich, wie unkompliziert die Bewerbung und die Durchführung sind. Ich telefonierte zweimal mit der Ansprechpartnerin bei Tandem, dann teilte ich ihr per E-Mail mit, wie viele Schüler in welchem Kurs mitmachen und dann ging es direkt los.

Ein großer Vorteil ist auch, dass die Teilnahme kostenlos ist. Das spielt für die Eltern eine wichtige Rolle. Für mich als Schulleiterin ist es ebenfalls entscheidend, weil dadurch viele Aufgaben entfallen, etwa Geld bei der Gemeinde beantragen, Formulare ausfüllen, Geld bei den Eltern einsammeln, den Betrag überweisen, etc.

„Durch ‚Ahoj – Hallo‘ können wir viele Schülerinnen und Schüler in Kontakt mit der tschechischen Sprache bringen.“

Planen Sie eine Fortsetzung des Projekts oder weitere Austauschmaßnahmen?

Ich möchte das Projekt auf jeden Fall im nächsten Schuljahr fortsetzen und gerne auch darüber hinaus. Der stete Tropfen höhlt schließlich den Stein. Durch „Ahoj – Hallo“ können wir viele Schülerinnen und Schüler in Kontakt mit der tschechischen Sprache bringen.

Schön wäre es, wenn wir die Kinder, die die Sprachanimation begeisterte, anschließend in einem dauerhaften Lehrgang weiter fördern könnten. Das habe ich bis jetzt noch nicht geschafft. Der einzige Anschluss besteht für diejenigen, die auf unsere Mittelschule kommen und dann am Austausch mit der tschechischen Klasse teilnehmen können. Dieses Angebot besteht bislang nur für eine Klasse pro Schule. Wir möchten es in Zukunft auf mehrere Jahrgangsstufen ausweiten.